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Mein Chef ist nicht wirklich die Sorte Mensch, mit der ich mich privat umgeben würde. Ich bin ja nun wirklich keine „Stimmungskanone“ (blödes Wort) und ganz bestimmt nicht der Charme sprühende Mittelpunkt jeder Party, aber so langweilig, humorlos und verstockt wie mein Chef werde ich auch mit 80 nicht sein. Weil ihm das, zugegeben ein Wenig infantile, Getuschel und Gekicher zwischen mir und Katy nicht passt, wir aber immer korrekt und pünktlich unsere Arbeit abliefern und er uns deswegen nicht wirklich abstrafen kann, gibt er uns immer wieder nette kleine undankbare Arbeiten, von denen er weiß, dass wir sie scheußlich finden. Bei seiner letzten „Strafaktion“ ist es aber dann doch nicht so gelaufen, wie er es sich vorgestellt hat, denn wir hatten sie fix hinter uns gebracht und dabei auch nicht den kleinsten Hauch an Heiterkeit eingebüßt. Da Monsieur weiß, dass wir es als Beleidigung empfinden, Arbeiten aufgebrummt zu bekommen, die eigentlich eher mit praktischer Organisation und Büroausstattung zu tun haben, sollten wir letztens eine neue Frankiermaschine für die Firma ordern. Ich war schon wieder auf 180, weil ich werde weiß, wie man mit einem solchen Gerät umgeht, noch eine Ahnung davon habe, wo man sie bestellen kann. Aber als Katy ganz gelassen blieb, wusste ich, dass wir das Problem schon so gut wie gelöst hatten. Schnurstracks setzte sie sich an ihren Rechner und rief die Seite der Deutschen Kaufberatung auf und 1,2,3 – das Problem war gelöst. Geradezu diebisch freuten wir uns über diesen Coup und als der Chef kurz darauf an uns vorbei im Richtung Kaffeeküche schlenderte, sprach Katy ganz beiläufig und ohne von ihrem PC aufzusehen folgende Worte: „Bestellung ist übrigens vor einer halben Stunde raus.“ Allein sein kurzes, zerknirschtes „Gut“, war der reinste Triumph. Ja, ja, so ist das Leben...
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Hatte ich schon erwähnt, dass meine Freundin und ich im selben Büro arbeiten? Dort haben wir uns auch kennen gelernt. Eigentlich eine ganz nette, wenn auch nicht besonders aufregende Geschichte. Ich war neu in der Firma und, wie es nun mal meine Art ist, eher ängstlich und gehemmt, was die Kontaktaufnahme mit den Kollegen betrifft. Zu allem Überfluss bekam ich auch noch einen Schreibtisch genau in der Mitte des Großraumbüros, umgeben von Fremden, die alle geschäftig an ihrem bereits individuell eingerichteten Arbeitsplatz diversen Tätigkeiten nachgingen. Ich muss wohl so verloren ausgesehen haben, wie ich mich in diesem Augenblick fühlte, denn kurz nachdem mich mein Vorgesetzter eingewiesen und mich dann allein zurückgelassen hatte, stand plötzlich diese für den Büroalltag doch recht auffällig gekleidete Person vor mir. Vor allem die Frisur stach mir ins Auge, da das aufgesteckte Haar von unterschiedliche farbenen Strähnen durchzogen war. Mein schüchternes Lächeln erwiderte sie mit einem breiten Grinsen, bevor sie mir ihre Hand, inklusive künstlerisch manikürter Fingernägel entgegenstreckte und sich mit Katy vorstellte. Gleichzeitig froh und skeptisch ergriff ich ihre Hand und nannte ihm meinen Namen, woraufhin sie mich von meinem Stuhl und schnurstracks in Richtung Kaffeeküche zog. Bei einer heißen Tasse des braunen Wachmachers erzählte sie mir unverblümt den allerneusten Büroklatsch, so als wäre ich schon ewig dabei und einfach nur aus dem Urlaub zurückgekehrt.
Seither gehört Katy zu meinen liebsten Freunden, denn ihr habe ich es zu verdanken, dass ich mich schnell in meinem neuen Job zurecht gefunden habe und nicht völlig vereinsamt bin.
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Neulich habe ich mit einer guten Freundin ein Gespräch geführt und darüber nachgedacht, wie es sein kann, dass wir so unterschiedlich sind und uns doch so gut miteinander verstehen. Ein Beispiel: ich bin eher ein ruhiger Mensch und schätze es sehr, eine gewisse Zeit am Tag nur für mich und zum Nachdenken zu haben. Ich mag ruhige Musik, die entspannt, gehe abends lieber ins Kino als in eine Kneipe und kleide mich eher unauffällig. Meine Freundin hingegen ist aufgekratzt und liebt den Trubel. Sie fühlt sich am wohlsten, wenn sie von vielen Menschen umgeben ist und langweilt sich allein sehr schnell. Sie mag Musik zu der man tanzen kann, geht für ihr Leben gerne auf Partys, wenn möglich 7 Tage die Woche und der Inhalt ihres Kleiderschranks erinnert farblich an das Innere einer Bonbonschachtel und steckt auch was den Stil betrifft voller ähnlicher Überraschungen.
Wie also kann es sein, dass wir uns dennoch so gut wie nie streiten und tatsächlich gerne zusammen Shoppen gehen? Man sollte doch meinen, dass wir der jeweils anderen keine große Hilfe bei der Auswahl des passenden Outfits sind und tendenzielle doch eher genau das das kaufen, was der anderen eben gar nicht gefällt. Die Antwort kam uns nach kurzem Überlegen in den Sinn und ist im Nachhinein doch recht simpel: im Grunde macht nämlich der Gegensatz den Reiz aus. Für mich hat es etwas aufregendes, mit ihr die kleinen, oft sehr extravaganten Boutiquen, die ich allein niemals betreten würde, weil sie mir gar nicht erst ins Auge fallen, zu durchstöbern und die in meinen Augen verrücktesten Sachen anzuprobieren. Sie wiederum betritt ohne mich selten die gängigen Shops und hat meist keinen Überblick über das, was „der Durchschnitt“ als kleidsam empfindet. So ist sie meine Gelegenheit, meine verrückte Seite ein Wenig auszutesten, während sie an meiner Seite gern mal den konservativeren Teil ihres Wesens entdeckt. So kommt es also, dass wir uns stets auf das nächste Einkaufsabenteuer freuen und in meinem Schrank dann doch mal ein gewagtes Kleid landet, während sich in ihrem die ein oder andere elegante Bluse als exotische Art tummelt.
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